12) Radsport in Österreich-Ungarn (bis 1918)

Entstehung und Organisation des Fahrradsportes in Österreich:

Die beiden 1882 gegründeten „Deutscher und Deutsch-Österreichischer Velocipedisten-Bund“ und Norddeutscher Velocipedisten-Bund, gründeten im Frühjahr 1883, zusammen mit dem Rheinischen Velocipedisten- Bund bei einem Treffen am 29. Juni 1884 in Meiningen den „Velocipedisten-Congress“ , welcher am 17. August 1884 in Leipzig im Saale der Moritzburg in den Deutschen Radfahrer-Bund umgewandelt wurde.
Derselbe hatte den Zweck, den Radfahrsport durch Veranstaltung von Wett- und Tourenfahrten, sowie durch die Pflege des Kunstfahrens und sonstige Übungen des Radfahrens zu fördern, die sportlichen Interessen der dem Bunde angehörenden Radfahrer wahrzunehmen und die Verbreitung und Verbesserung des Radfahrsports zu pflegen.

1897 war der Verband in 45 Gauverbände aufgeteilt, wovon 37 Gaue zum Deutschen Reich und 8 Gaue zum Kaisertum Österreich gehörten. Die 8 österreichischen Gauverbände waren:
– der Gauverband 32 – Deutsch-Böhmen im Deutschen Radfahrer-Bund;
– der Gauverband 33 – Mähren im Deutschen Radfahrer-Bund;
– der Gauverband 34 – Nieder-Österreich im Deutschen Radfahrer-Bund (umfasste Nieder-Österreich und Wien);
– der Gauverband 35 – Salzburg-Oberösterreich im Deutschen Radfahrer-Bund;
– der Gauverband 36 – Steiermark im Deutschen Radfahrer-Bund (umfasste Steiermark und Kärnten);
– der Gauverband 38 – Krain im Deutschen Radfahrer-Bund (umfasste Krain und Küstenland);
– der Gauverband 39 – Tirol im Deutschen Radfahrer-Bund (umfasste Tirol und Vorarlberg) und
– der Gauverband 40 – Österreich-Schlesien im Deutschen Radfahrer-Bund; (Quelle: Jahrbuch der deutschen Radfahrer-Vereine von 1897/98);

Entstehung und Organisation des Fahrradsportes in Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesien:

Wie im Fussball, war auch im Radsport der Nationalitätenkonflikt in Böhmen präsent. 1883 gründeten der Český Klub Velocipedistů Smíchov 1880, der Klub Velocipedistů „Praha“ v Praze 1883, der Klub Velocipedistů Západních Čech v Rokycanech 1883 und der Klub Bicyklistů Bučicko-Vrdovských 1883 den České Ústřední Jednoty Velocipedistů (Č. Ú. J. V.), einen Zentralverband der Velocipedisten in der Tschechischen Republik; Dieser lehnte die Eingliederung in den Österreich-Ungarischen Radfahrer-Bund (Hauptverband) kategorisch ab und fungierte weitgehend als eigenständiger Verband; In ihm waren alle tschechischsprachigen Vereine zusammengeführt. Nach dem Zerfall der Donaumonarchie entstand 1920 daraus der Československa Ústřední Jednoty Velocipedistů (Čs. Ú. J. V.), der Tschechoslowakische Radfahrer-Verband;