06) Ungarn (nach 1918)

– Ungarn erklärte am 31. Oktober 1918 den Austritt aus der Realunion mit Österreich, damit war die k. u. k. Monarchie aufgelöst. Königreich Ungarn war daher die offizielle (sonst aber nicht gebräuchliche) Bezeichnung des ungarischen Staates, der größtenteils dem heutigen Ungarn entsprach und weiterhin vom 21. März 1920 bis zum 21. Dezember 1944 bestand. Während dieser Zeit wurde das Land bis 16. Oktober 1944 von Reichsverweser Miklós Horthy geführt; dieser fungierte als Königstellvertreter während der Abwesenheit des Königs. Im Vertrag von Trianon 1920 musste die Regierung in Budapest den großteils bereits 1918/1919 erfolgten Abfall der nichtmagyarischen Gebiete „Altungarns“ akzeptieren, der auch viele dort lebende Magyaren zu Ausländern machte; die Grenzen waren mit strategischer Großzügigkeit zu Lasten des Kriegsverlierers gezogen worden. 1921 torpedierte Horthy zwei Versuche König Karls IV., der am 13. November 1918 auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften verzichtet hatte, auf den Thron zurückzukehren. Im Dethronisationsgesetz vom 6. November 1921, das die argwöhnischen neuen Nachbarn Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien verlangt hatten, wurde das Haus Habsburg in Ungarn definitiv entthront. Am 6. November 1921 beschloss der Reichstag im sogenannten Dethronisationsgesetz die formelle Absetzung der Dynastie Habsburg-Lothringen. Die Regierung erkannte daraufhin den Friedensvertrag von Trianon an, nach dessen Bedingungen Ungarn zwei Drittel seines Staatsgebiets an die Tschechoslowakei, Rumänien, den südslawischen Staat und Österreich abtreten musste. Die meisten nun de jure abgetretenen Gebiete hatten sich de facto schon 1918/1919 von Ungarn getrennt und waren den neuen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie beigetreten oder von ihnen in Besitz genommen worden; das spätere Burgenland kam aber erst im Herbst 1921 zu Österreich.

– Ungarn näherte sich ab 1933 unter Ministerpräsident Gyula Gömbös aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem nationalsozialistischen Deutschland an. In den von NS-Deutschland diktierten Wiener Schiedssprüchen erhielt Ungarn 1938 die ungarisch bewohnte Südslowakei (entlang der Donau) und 1940 einen beträchtlichen Teil Siebenbürgens (von Rumänien) zurück, musste jedoch diese Gebiete 1945 wieder aufgeben. Für Ungarn endeten die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs mit dem Kampf um Ungarn und der Besetzung des Landes durch die Rote Armee, welche bis zum 4. April 1945 abgeschlossen war. Ungarn kam auf Grund des Vertrages von Jalta unter sowjetischen Einfluss, und am 20. August 1949 wurde eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild beschlossen.

– Vor dem und im Zweiten Weltkrieg unterstützte Horthy das „Dritte Reich“; Ungarn erhielt vorübergehend magyarisch besiedelte Gebiete in der Südslowakei, in Siebenbürgen sowie große Teile der Vojvodina zurück und entsandte Kampftruppen an die Ostfront. Als der Reichsverweser Horthy sich 1944 nicht mehr als verlässlicher Unterstützer Adolf Hitlers erwies, wurde das fiktive Königreich durch einen faschistischen Staat ersetzt. Die ungarische Königskrone, von ungarischen Politikern auf der Flucht vor der Roten Armee mitgenommen und von US-amerikanischen Soldaten in Österreich beschlagnahmt, kehrte erst Jahrzehnte später aus den USA nach Budapest zurück.

– Am 23. Oktober 1956 kam es zu einem Volksaufstand, in dessen Verlauf Imre Nagy, der bereits von 1953 bis 1955 Ministerpräsident gewesen war, erneut dieses Amt erlangte. Er bildete eine Mehrparteienregierung und forderte die parlamentarische Demokratie sowie die Neutralität Ungarns. 1968 beteiligte sich Ungarn am militärischen Eingreifen der Warschauer-Pakt-Staaten in der für den Ostblock gefährlich liberal gewordenen Tschechoslowakei.

– Ungarn hatte entscheidenden Anteil an den Revolutionen im Jahr 1989 in den ehemaligen Ostblockstaaten und damit auch an der friedlichen Revolution in der DDR, die den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete. Nach 1989/90 wurde Ungarn (politisch gesehen) Teil des westlichen Staatensystems. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 wurde auch das ungarische Staatswesen erneuert. Am 23. Oktober 1989 – dem Jahrestag des Ungarischen Volksaufstands von 1956 – wurde die Republik Ungarn ausgerufen, und eine modifizierte Version der sozialistischen Verfassung von 1949 trat in Kraft. Im März 1990 fanden die ersten freien Parlamentswahlen Ungarns seit 1947 statt. Im März 1999 wurde Ungarn Mitglied der NATO, nachdem das Parlament am 9. Februar mit überwältigender Mehrheit für einen Beitritt gestimmt hatte. Das Land gehörte damit zu den ersten Staaten des früheren Ostblocks, die der Allianz beitraten.

– Verwaltungsgliederung Ungarns:
Die ungarische Verwaltungseinheit járás (Mz. járások) wird im Allgemeinen mit Kreis übersetzt. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges hatte Ungarn auf seinem damaligen Gebiet 442 Kreise. Nach dem Friedensvertrag von Trianon waren es ungefähr 150. Mit den Gebietserweiterungen zwischen 1938 und 1941 stieg auch die Zahl der Kreise. Im Ergebnis der Pariser Friedenskonferenz 1946 hatte Ungarn wieder 150 Kreise, die zum 31. Dezember 1983 aufgelöst wurden.

– Die historischen Komitate Ungarns entstanden um 1000. Mit der Reform von 1950 wurden 19 Komitate gebildet. Die Anzahl der Kreise blieb unverändert.
1994 gliederte das Zentrale Statistikamt Ungarns das Land zur Erfassung bestimmter statistischer Daten in zunächst 138 territoriale Einheiten, die als „statistische Distrikte“ (statisztikai körzet) bezeichnet wurden.
Zum 1. August 1997 wurden die Distrikte in 150 Kleingebiete (kistérség) umgewandelt. 2003 wurde die Zahl auf 186 erhöht und ihnen wurde zugleich ein Teil der öffentlichen Aufgaben der Gemeinden übertragen.
1999 wurden in Ungarn sieben Regionen geschaffen, auch um Auflagen der Europäischen Union zu erfüllen. Diese Regionen werden aus den Komitaten Ungarns gebildet und dienen vor allem statistischen Zwecken. Es sind Nordungarn (Észak-Magyarország), Nördliche Große Tiefebene (Észak-Alföld), Südliche Große Tiefebene (Dél-Alföld), Mittelungarn (Közép-Magyarország), Mitteltransdanubien (Közép-Dunántúl), Westtransdanubien (Nyugat-Dunántúl) und Südtransdanubien (Dél-Dunántúl)

– Zum 1. Januar 2013 wurden nach 29-jähriger Pause wieder Kreise (járások) eingeführt. Es sind jetzt 175. (Quelle: wikipedia);